myContactCenterHandbuch

Bandbreite planen und berechnen

Bandbreite je Verbindung für Telefonie, Agenten, Administration, Wandanzeigen, Sprachdienste und Dateitransfers berechnen und mit Messwerten prüfen.

Die benötigte Bandbreite ergibt sich aus den gleichzeitig aktiven Datenströmen je Netzwerkverbindung. Agentenzahl und Gesprächszahl allein reichen nicht: Telefonie, Steuerungsnachrichten, Sprachdienste und Dateien können unterschiedliche Wege nehmen. Planen Sie Senden und Empfangen getrennt.

Diese Anleitung unterscheidet aus dem Produktcode berechenbare Nutzdaten von zusätzlichem Protokollaufwand und Werten, die in Ihrer Installation gemessen werden müssen. Sie enthält keine feste Mindestbandbreite pro Agent.

Verbindungen erfassen

Komponente Was Bandbreite verursacht Berechnungsgrundlage
Agent Servernachrichten sowie SIP-/Medienverbindungen bei Telefonie gemessene Nachrichtenrate und tatsächlich vorhandene Audioströme getrennt
Administration Anmeldung, Listen, Zustandsänderungen, Konfiguration und abgefragte Daten Nachrichtenvolumen im üblichen Betrieb und bei großen Abfragen
Server Nachrichten an Clients und Dienste, Datenbankzugriffe und weitere aktivierte Funktionen jede Verbindung einzeln betrachten; eine Meldung kann an mehrere Empfänger gehen
Routing Service Telefonie, Medienverarbeitung, Servernachrichten und Website-Hubs aktive Medienströme plus Steuerungs- und Websiteverkehr
Wandanzeigen übertragene Daten und Aktualisierungen tatsächliche Aktualisierungsrate und Größe der angezeigten Daten
Web-Chat und WebCallback SignalR-Nachrichten und Verbindungsaufbau Häufigkeit und Größe der JSON-Nachrichten; daraus entsteht kein eigener Browser-Audiostream
Spracherkennung und Übersetzung Audio an den Sprachdienst, Ergebnisse und gegebenenfalls Sprachausgabe PCM-Format und Anzahl gleichzeitig laufender Audioeingänge; weiteren Dienstverkehr messen
E-Mail und Fax Nachrichten, Anhänge und Übertragungen an das jeweilige System übertragene Dateigröße und gewünschte Übertragungsdauer
Aufzeichnungen und Sprachnachrichten Audiodateien, gegebenenfalls Kopieren oder Abrufen über das Netzwerk tatsächliches Dateiformat und Dateigröße

Der Server ist nicht automatisch der Übertragungsweg aller Audiodaten. Zählen Sie nur Ströme, die die gerade dimensionierte Verbindung tatsächlich überqueren. Siehe auch Ports und Verbindungen.

Allgemeine Rechnung

Für eine Übertragung von D Byte in T Sekunden:

Nutzdatenrate in bit/s = D × 8 / T
Nutzdatenrate in Mbit/s = D × 8 / T / 1.000.000

Für laufenden Betrieb addieren Sie die Raten der gleichzeitig aktiven Ströme. Anschließend berücksichtigen Sie den gemessenen Protokollaufwand, Lastspitzen und Ihre betriebliche Reserve. Die Beispieldaten verwenden Dezimaleinheiten: 1 kbit/s = 1.000 bit/s und 1 MB = 1.000.000 Byte.

Telefonie und SIP-Medien

Der SIP-Endpunkt aktiviert unter anderem G.722, PCMA, PCMU, iLBC, Speex und GSM mit unterschiedlichen Prioritäten. Die tatsächliche Auswahl wird mit der Gegenstelle ausgehandelt. Aus der Codecpriorität lässt sich deshalb keine feste Bandbreite aller Gespräche ableiten. Auch die Taktrate im Codecnamen, etwa G722/16000, ist keine Datenrate in bit/s.

Für einen gleichmäßig paketierten Audiostrom:

Pakete pro Sekunde = 1.000 / Paketintervall in ms
Rate pro Richtung = Codec-Nutzdatenrate
                    + Zusatzbytes pro Paket × 8 × Pakete pro Sekunde

Ermitteln Sie Codec, Paketintervall und Zusatzbytes aus der tatsächlich verwendeten Verbindung. Netzwerk-, Sicherheits- und Tunnelprotokolle sowie zusätzliche Kontrollpakete müssen an der betrachteten Messstelle einbezogen werden. Verwenden Sie für die Planung keine pauschale Einsparung durch Sprechpausen: Die Aktivierung der Stilleerkennung ist im Endpunkt ein Parameter und keine zugesicherte Reduktion.

Rechenbeispiel mit angenommenen Messwerten: 64 kbit/s Nutzdaten, 20 ms Paketintervall und 40 zusätzliche Byte pro Paket ergeben 64.000 + 40 × 8 × 50 = 80.000 bit/s je Richtung. Zehn solcher gleichzeitig über die Verbindung laufenden Ströme ergeben 0,8 Mbit/s je Richtung, vor weiterem Verkehr und Reserve. Das sind Beispielannahmen, keine festen Werte für jede myContactCenter-Verbindung.

Zählen Sie bei Rückfrage, Konferenz, Mithören und Übersetzung die tatsächlich zusätzlich aktiven Medienströme. Multiplizieren Sie nicht jedes Gespräch blind mit einer festen Anzahl von Leitungen.

Der SIP-Code protokolliert beim Abbau eines Audiostreams Codec, Ziel, gesendete und empfangene Pakete und Byte sowie Verlust- und Laufzeitwerte. Die Bytezähler sind keine zugesicherte Messung sämtlicher Bytes auf Ihrer WAN-Leitung. Für die vollständige Netzlast benötigen Sie zusätzlich eine Messung am betreffenden Netzwerkpfad.

PCM-Audio und Sprachdienste

Die Konferenzbrücke berechnet ihre PCM-Datenmenge aus Taktrate, Kanalzahl und Bytes pro Sample. Die Spracherkennung übernimmt diese Werte für ihren PCM-Eingangsstrom:

PCM-Byte pro Sekunde = Sample-Rate × Kanalzahl × Bits pro Sample / 8
PCM-bit/s = Sample-Rate × Kanalzahl × Bits pro Sample
Angenommenes PCM-Format Nutzdaten je Strom Daten für eine Minute
8.000 Hz, 16 Bit, mono 128 kbit/s 0,96 MB
16.000 Hz, 16 Bit, mono 256 kbit/s 1,92 MB
16.000 Hz, 16 Bit, zwei Kanäle 512 kbit/s 3,84 MB

Der SIP-Endpunkt setzt seine Kanalzahl auf 1; andere Audioverarbeitung kann ein anderes Format verwenden. Prüfen Sie die tatsächlichen Brücken- und Dateiparameter. Die PCM-Rechnung beschreibt die an den Sprachclient übergebenen Nutzdaten. Sie ist keine Garantie für die vollständige Internet-Datenrate des verwendeten SDK: Protokollaufwand, Pufferung und zusätzliche Ein- oder Ausgabeströme müssen gesondert berücksichtigt werden.

Agent, Administration und Wandanzeigen

Die Produktnachrichten werden serialisiert. Der Nachrichtenheader umfasst 7 Byte; Nutzdaten bis einschließlich 1.000 Byte werden in diesem Serializer unkomprimiert übertragen, größere Nutzdaten werden komprimiert. Ein konstanter Wert je Nachricht ist daher nicht sinnvoll.

Nachrichten-Nutzdatenrate = Nachrichten pro Sekunde
                           × mittlere tatsächlich übertragene Nachrichtengröße
                           × 8

Die Serialisierungsprotokolle enthalten die Größe nach dem Serialisieren beziehungsweise Komprimieren, bereits einschließlich des Nachrichtenheaders. Addieren Sie die 7 Byte dann nicht erneut. Für die Netzlast kommen die Transportprotokolle und gegebenenfalls Wiederholungen hinzu.

Messen Sie Anmeldung und Wiederanmeldung separat vom normalen Betrieb. Eine große Liste oder gleichzeitige Anmeldung vieler Agenten erzeugt einen anderen Bedarf als reine Statusänderungen. Bei Wandanzeigen hängen Volumen und Lastspitzen vom Entwurf, den Datenquellen und den Aktualisierungen ab. Der Code legt hierfür keine allgemeine Mindestbandbreite je Arbeitsplatz fest.

Dateien und Aufzeichnungen

Für Dateien gilt die allgemeine Rechnung mit der gewünschten Übertragungsdauer. 10 MB in 5 Sekunden benötigen rechnerisch 16 Mbit/s Nutzdatenrate. Gleichzeitige Transfers addieren sich.

Bei PCM-WAV lässt sich die Audiomenge aus Format und Dauer wie oben berechnen; Containerdaten kommen hinzu. Die MP3-Konvertierungshilfe verwendet standardmäßig 64 kbit/s, erzwingt Mono und setzt eine Ziel-Sample-Rate von 16.000 Hz. Wenn genau diese Konvertierung verwendet wird, ergeben 64 kbit/s für eine Minute etwa 0,48 MB Audio-Nutzdaten. Das ist keine Aussage, dass sämtliche Aufzeichnungen bereits als solche MP3-Dateien vorliegen.

Für E-Mail-Anhänge verwenden Sie die Größe der übertragenen Nachricht, nicht nur die ursprüngliche Datei. Wird ein Anhang mit Base64 übertragen, vergrößert die Kodierung die Nutzdaten ungefähr um den Faktor 4/3; Zeilenumbrüche und Nachrichtenheader kommen hinzu. Datenbankabfragen, Berichte und Backups werden nach ihrem tatsächlichen Volumen geplant.

Planung überprüfen

  1. Zeichnen Sie die Netzwege auf und erfassen Sie die erwartete gleichzeitige Nutzung je Funktion.
  2. Berechnen Sie Audio- und Dateinutzdaten. Messen Sie die variablen Nachrichten- und Datenbankmengen im vorgesehenen Nutzungsprofil.
  3. Prüfen Sie jede Richtung an der jeweiligen Verbindung. Vermeiden Sie doppelt gezählte Ströme und lokal bleibende Daten.
  4. Testen Sie Lastspitzen: Anmeldung, Konferenzen, Dateiabrufe und weitere aktivierte Funktionen gleichzeitig.
  5. Planen Sie eine Reserve nach Ihren gemessenen Spitzen. Prüfen Sie für Telefonie zusätzlich Laufzeit, Schwankungen und Paketverluste; genügend durchschnittliche Bandbreite allein sichert noch keine Sprachqualität.

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